Urs Allemann
Juri Andruchowytsch
Vladimir Arsenijevic
Zsuzsa Breier
György Dalos
Péter Esterházy
Zsuzsanna Gahse
Karl-Markus Gauß
Dana Grigorcea
Dzevad Karahasan
István Kemény
Esther Kinsky
Andrej Kurkow
Urs Mannhart
Olga Martynova
Robert Menasse
Adolf Muschg
Melinda Nadj Abonji
Martin Pollack
Edo Popovic
Julya Rabinowich
Dragica Rajcic
Dana Ranga
Noëlle Revaz
Tomasz Rózycki
Oksana Sabuschko
Ivana Sajko
Michail Schischkin
Karl Schlögel
Aleš Šteger
Christian Uetz
Nenad Velickovic
Peter Weber
Serhij Zhadan
Die Programmübersicht als PDF
(300 KB, Version 16.9.2011)
Urs Allemann
schreibt auf deutsch
lebt in Reigoldswil (CH)
*1948 in Schlieren (CH)
Er hat wie kaum ein Lyriker sonst begriffen, dass das Gedicht Mundwerk ist im buchstäblichen Sinn: Es entsteht im Rachenraum. Da zischt und schnattert, da hämmert und gurgelt es. Da lautet es! Langweilig ist das keinen Moment, auch nicht in Fällen, wo man jedes Wort einzeln, aber kein einziges Wort im Zusammenhang versteht; da nimmt sich Allemann die Lizenz, Elias Canettis einst formulierter Einsicht zu folgen, dass Sprache keineswegs immer unmittelbar der Kommunikation zu dienen verpflichtet sei, vielmehr auch die Fähigkeit habe, die lustvolle Verweigerung von Kommunikation, nämlich Dunkelheit und Rätsel, herzustellen.
Holder die Polder. Gedichte,
Urs Engeler Editor, 2001
schoen! schoen! Gedichte,
Urs Engeler Editor, 2003
Urs Allemann liest am
Sonntag, 18. September, 13 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Juri Andruchowytsch
schreibt auf ukrainisch
lebt in Iwano-Frankiwsk (UA)
*1960 in Stanislaw,
seit 1962 Iwano-Frankiwsk (UA)
Juri Andruchowytsch erzählt in seinem neu erschienen Roman «Perversion», der eigentlich sein erster Roman ist, die Geschichte des Helden Stanislaw Perfecki. Ein Held aus dem ukrainischen Underground, Dichter und Happening-Künstler, wird zu einem internationalen Symposion über den postkarnevalistischen Irrsinn der Welt in Venedig erwartet. Dabei gerät er in die Fänge von Bohemiens im dekadenten München, verliebt sich in eine Frau, die jemand als Spitzel auf ihn angesetzt hat, und wird in dämonische Intrigen und erotische Exzesse verstrickt.
Wie in Bulgakows «Der Meister und Margarita», bricht das Übersinnliche in die Alltagswirklichkeit ein und übernimmt die Regie.
Ein Lektüre-Abenteuer für alle, die lieber lachend mit der Literatur über das Leben triumphieren, als an ihm zu verzweifeln.
Perversion. Roman, Suhrkamp 2011
Geheimnis: Sieben Tage mit Egon Alt.
Roman, Suhrkamp 2008
Juri Andruchowytsch liest am
Mittwoch, 21. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Vladimir Arsenijevic
schreibt auf serbisch
lebt in Belgrad (RS)
*1965 in Pula (HR)
Vladimir Arsenijevic ist eine der bedeutendsten Stimmen der alternativen serbischen Literaturszene. Bekannt wurde er bereits zu Beginn der 80er Jahre als Mitglied einer der ersten Belgrader Punkbands «Urbana Gerila». In seinem 1994 veröffentlichter Erstling
Vladimir Arsenijevic wird in Thun auch sein noch unveröffentlichtes Buch «Minut: put oko sveta za 60 sekundi» (dt. «Eine Minute: In 60 Sekunden um die Welt») vorstellen.
Vladimir Arsenijevic liest am
Sonntag, 25. September, 15.30 Uhr,
in der Alten Oele Thun
Zsuzsa Breier
schreibt auf deutsch und ungarisch
lebt in Berlin (DE)
*1963 in Budapest (HU)
Zsuzsa Breier studierte Germanistik und Kulturwissenschaften und ist Dozentin, Autorin und Herausgeberin. Von 1992 bis 2005 war sie als Dozentin für Neuere und Deutsche Literatur an der Eötvös-Lóránd-Universität in Budapest und von 2000 bis 2004 als Diplomatin in der Botschaft der Republik Ungarn in Berlin tätig. Sie war Initiatorin und Leiterin des 2004 gestarteten, einjährigen Dialog-Programms der zehn neuen EU-Länder «Kulturjahr der Zehn» der Gesellschaft Dialog.Kultur.Europa e.V. Seit 2006 ist sie Lehrbeauftragte für Kulturmanagement an der Humboldt-Universität zu Berlin und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Gesellschaft zur Förderung der Kultur im erweiterten Europa e.V. Berlin.
Freiheit, ach Freiheit ...
Vereintes Europa – Geteiltes Gedächtnis.
Herausgeberin zusammen mit
Zsuzsa Breier liest am
Donnerstag, 22. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
György Dalos
schreibt auf ungarisch und deutsch
lebt in Berlin (DE)
*1943 in Budapest (HU)
György Dalos ist Erzähler, Satiriker, Verfasser schlitzohriger Essays und in den vergangenen Jahren immer deutlicher Historiker. Seine Bücher über die Geschichte Ungarns bestechen durch einen unsentimentalen Ton und gerechte, nicht ausgewogene Urteile. Seine oft ernüchternde, immer freie Darstellung überragt andere Bücher über das Jahr 1989 um Längen. Dalos erzählt, wie der Prozess der Loslösung 1989 in Gang kam und welche Widerstände überwunden werden mussten, bevor aus dem Ostblock hinter dem Eisernen Vorhang ein östliches Europa werden konnte. Doch betreibt er keine nationale Nabelschau nach dem Opfer-Täter-Schema, sondern seziert trocken-lakonisch und voll Empathie die Gemeinsamkeiten und die nationalen Besonderheiten des Scheiterns der ehemaligen sozialistischen Bruderstaaten. Ein mitfühlend-ironischer Grundton durchzieht sein Werk, das eine Mischung aus politischer Analyse und literarischer Erzählung ist.
Gorbatschow. Mensch und Macht.
C. H. Beck 2011,
Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa.
C. H. Beck 2009.
Beide: Deutsche Bearbeitung
György Dalos liest am
Sonntag, 18. September, 11 Uhr,
im Museum Neuhaus Biel,
Montag, 19. September, 20 Uhr
im Kornhausforum Bern,
Mittwoch, 21. September, 20 Uhr,
im Casino Burgdorf
Péter Esterházy
schreibt auf ungarisch
lebt in Budapest (HU)
*1950 in Budapest (HU)
Péter Esterházy stammt aus einer alten aristokratischen Familie, die nach der Machtergreifung der Kommunisten 1948 enteignet und deportiert wurde.
Er hat seit den achtziger Jahren in Deutschland rund zwei Dutzend Werke veröffentlicht. Péter Esterházy gilt als Erneuerer der ungarischen Literatur.
Esterházy trainiert den Gehirnmuskel wie kein anderer. Sein neustes Buch auf Deutsch, «Ein Produktionsroman», erschien in Ungarn bereits 1979 und machte den Autor auf der Stelle berühmt. Die Ungarn liebten dieses Buch, das den Irrsinn der sozialistischen Bürokratie mit den vertracktesten Wortspielen und Anekdoten aufs Korn nahm. Esterházy wollte keine Gesinnungsliteratur schreiben, sondern das System mit ästhetischen Mitteln entlarven. Und das ist ihm bestens gelungen.
Ein Produktionsroman. Roman,
Berlin Verlag 2010, aus dem
Ungarischen von Terézia Mora
Keine Kunst. Erzählung,
Berlin Verlag 2009, aus dem
Ungarischen von Terézia Mora.
Péter Esterházy liest am
Donnerstag, 15. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Zsuzsanna Gahse
schreibt auf deutsch
lebt in Müllheim (CH)
*1946 in Budapest (HU)
Zsuzsanna Gahse hat sich als Übersetzerin, Kulturvermittlerin und als eigenständige Literatin einen Namen gemacht.
Im Gedichtzyklus «Donauwürfel» folgt Gahse dem Lauf des europäischen Stroms und bettet ihn ein in ein poetisches Programm: Zehn Silben mal zehn Zeilen bilden ein Quadrat, zehn Quadrate einen der insgesamt 27 Donauwürfel. So fliesst die Donau sprachlich aufgehoben hinab ins Schwarze Meer.
Bei ihrem längeren Aufenthalt in Venedig beschreibt sie die Stadt und dabei sieht sie keineswegs nur die Glanzseiten der Kulissen. Sie beobachtet ihre Nachbarn, das geschäftige Treiben auf dem Wasser und in den steinernen Gassen.
Am Ende hebt der Entschluss abzureisen den Wunsch auf, Venedig zum Verschwinden zu bringen: «Stattdessen verschwinde ich.»
Donauwürfel. 27 Sprachwürfel.
Edition Korrespondenzen 2010
Das Nichts in Venedig.
Martin Wallimann Verlag 2010
Zsuzsanna Gahse liest am
Sonntag, 18. September, 13 Uhr
im Kornhausforum Bern,
Samstag, 24. September, 20 Uhr
im Kornhausforum Bern,
Sonntag, 25. September, 11 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Karl-Markus Gauß
schreibt auf deutsch
lebt in Salzburg (AT)
*1950 in Salzburg (AT)
Schriftsteller, Essayist, Kritiker und Herausgeber, all das vereint Karl-Markus Gauß in seiner Person. Vor allem zeichnet Gauß sich durch seine Essays aus. Er bezieht in ihnen Stellung für eine menschliche Welt; sehr prägnant und stilistisch versiert hebt er die verschiedenen Paradoxien und Perversionen des modernen Lebens hervor, ohne dabei in Kulturpessimismus zu verfallen. Immer wiederkehrendes Thema ist die Annäherung an nationale Minderheiten und Ethnien; weitere Themen sind Mittel- und Südosteuropa.
Karl-Markus Gauß erprobt sich mit seinem neuen Buch in verschiedenen Genres und schreibt dabei eine Kulturgeschichte Europas, wie wir sie, so reich an Zusammenhängen und ungeahnten Verwandtschaften, bisher noch nicht gekannt haben. Ein Buch, das es darauf abgesehen hat, «das europäische Stimmengewirr komplett zu kriegen».
Im Wald der Metropolen. Erzählungen,
Zsolnay Verlag 2010
Die fröhlichen Untergeher von Roana.
Unterwegs zu den Assyrern,
Zimbern und Karaimen. Essays,
Zsolnay Verlag 2009
Karl-Markus Gauß liest am
Sonntag, 24. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Dana Grigorcea
schreibt auf deutsch
lebt in Zürich (CH)
*1979 in Bukarest (RO)
In ihrem Erstling «Baba Rada» entführt uns die junge, auf Deutsch schreibende Bukaresterin Dana Grigorcea in eine burleske Welt im neu entstehenden Europa. Diese Welt der Mythen und abenteuerlichen Gebräuche wird noch immer von den bizarren Wünschen ihrer Einwohner zusammengehalten. Mit Sprachwitz und Poesie, mit Sinn für Derbheit und Anmut erzählt Grigorcea eine Geschichte um Einsamkeit, Freundschaft, Liebe und Schönheit; um Lügen, Verrat, Totschlag und Mord.
«‹Baba Rada› entwirft wundersam aufregende Erzählflüsse, die durch Zeiten, Menschen, Landschaften und Schicksale mäandrieren; zum Schreien komische, empathische Geschichten vom Leben, Überleben und Sterben in einem globalisierten Osteuropa, getragen von einer Sprache, die uns die Geschehnisse ebenso hintersinnig wie scharf, ebenso bildhaft wie explizit vor Augen führt.»
Ruth Schweikert, Schriftstellerin
Baba Rada. Das Leben ist vergänglich
Roman, KaMeRu Verlag 2011
Dana Grigorcea liest am
Sonntag 18. September, 17 Uhr
im Kornhausforum Bern
Dzevad Karahasan
schreibt auf bosnisch und deutsch
lebt in Graz(AT) und Sarajevo (BA)
*1953 in Duvno (BA)
Dzevad Karahasan, der grosse bosnische Erzähler und Essayist, beheimatet in den literarischen Traditionen der antiken, der islamischen und der christlichen Welt, hat eine unzeitgemässe Auffassung vom Handwerk des Schreibens. Er folgt den Spuren, die das 20. Jahrhundert in seiner Heimatstadt Sarajevo und in Bosnien hinterlassen hat.
Immer wieder neu durchlaufen Karahasans Figuren in den vier Erzählungen Pilgerwege durch die Länder und die Jahrhunderte. Und immer wieder neu geraten sie nach Sarajevo und an einen toten Punkt.
Mühelos verknüpft dieser Berichterstatter aus einer dunklen Welt scheinbar unzusammenhängende Ereignisse: In seiner Prosa, die Authentisches und Fiktives geschickt ineinander verwebt, wird die «spiralförmige Struktur der Zeit» sichtbar.
Im Schatten der Städte.
Essays, Suhrkamp 2010
Berichte aus der dunklen Welt.
Prosa, Suhrkamp 2007
Dzevad Karahasan liest am
Donnerstag, 15. September, 20 Uhr,
im Casino Burgdorf,
Freitag, 16. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
István Kemény
schreibt auf ungarisch
lebt in Budapest (HU)
*1951 in Budapest (HU)
István Kemény ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen im heutigen Ungarn. Über Jahre hinweg war seine Wohnung Treffpunkt für junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller, so dass er auch einen entscheidenden Beitrag bei der Vermittlung ungarischer Gegenwartslyrik im Ausland leisten konnte. Mit seinem Werk erzeugt er ein neues Spannungsfeld zwischen Humor und Melancholie, nutzt die Möglichkeiten surrealistischer Verfremdung ebenso wie die lebendige Umgangssprache. Kemény findet für das Private wie für das Politische eindrückliche Bilder und setzt sie so kunstvoll ein, dass komplexe Zusammenhänge ohne Reduktion anschaulich werden. Es sind starke Visionen, die oft beiläufig entworfen werden, verblüffende Einsichten, deren absurder Witz keineswegs über die offenbarten Abgründe hinwegtäuscht.
Franz Josef Czernin. Dichterpaare.
Lyrikband zweisprachig mit CD-Beilage, Kortina Verlag 2009
Nützliche Ruinen. Gedichte
zweisprachig, gutleut Verlag 2007
István Kemény liest am
Sonntag, 18. September, 13 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Esther Kinsky
schreibt auf deutsch und englisch
lebt in Berlin (DE) und Battonya (HU)
*1956 in Engelskirchen (DE)
Esther Kinsky hat sich nicht nur einen Namen als Übersetzerin verschiedener wichtiger Stimmen der polnischen und russischen Literatur gemacht, sondern ist auch als Autorin von Prosa und Lyrik im besten Sinne auffällig geworden. Ihre unverbrauchte, eigenständige Sprache trifft, überhöht und erdet zugleich.
Das nördliche Banat ist Schauplatz ihres jüngsten Romans «Banatsko», den unter vielen anderen die FAZ feiert: «Wie sehr der Blick ins je andere Land vom Standort abhängt und der Sprache, die man spricht, weiss kaum jemand besser als die Übersetzerin Kinsky mit ihren Übertragungen aus dem Polnischen, Russischen und Englischen. Und so macht sie auch als Autorin ihre Grenzlandreflexionen zu einem Ereignis der Sprache. Man riecht, schmeckt, hört, sieht dieses Land, weil Kinsky es wie ein Fotoalbum langsam durchblättert.»
Banatsko. Roman, Matthes und Seitz 2011
die ungerührte schrift des jahrs.
Gedichte, Matthes und Seitz 2010
Esther Kinsky liest am
Sonntag, 18. September, 11 Uhr,
im Museum Neuhaus Biel,
Sonntag, 18. September, 17 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Andrej Kurkow
schreibt auf russisch
lebt in Kiew (UA)
*1961 in St. Petersburg (RU)
Es ist unglaublich, was Pawel Dobrynin im neuen Roman von Andrej Kurkow erlebt, nachdem er unerwartet zum «Volkskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion» gewählt wird. Auf seiner Reise durch die Sowjetunion begleiten ihn eine Vielzahl von schillernden Figuren.
Andrej Kurkow zählt neben Juri Andruchowytsch, Serhij Zhadan und Oksana Sabuschko zu den prominentesten Vertretern der zeitgenössischen ukrainischen Literatur.
Wie in den Bestsellern «Picknick auf dem Eis» und «Der Milchmann in der Nacht» erzählt er unterhaltsame und fesselnde Geschichten zwischen Fantasie und Wirklichkeit in der Sowjetunion. Ironische Leichtfüssigkeit, viel schwarzer Humor und ein Sinn für den harten Alltag einfacher Leute sind die Kennzeichen der Prosa von Andrej Kurkow.
Der wahrhaftige Volkskontrolleur.
Roman, Haymon Verlag 2011
Herbstfeuer. Erzählungen, Diogenes 2007
Andrej Kurkow liest am
Freitag, 16. September, 20 Uhr,
im Museum Neuhaus Biel,
Samstag, 17. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Urs Mannhart
schreibt auf deutsch
lebt in Bern (CH)
*1975 in Rohrbach (CH)
Urs Mannhart studierte vier Semester Germanistik, Anglistik und Philosophie. Zusammen mit Christoph Simon, Bern, und Lorenz Langenegger, Wien, ist er Mitglied der Literaturgruppe «die Autören».
Urs Mannhart ist ein hinreissender Essayist des Auges, ein bildgewaltiger Erfinder, der sogar weiss, «wie die herangewehte Stille im krüppelwüchsigen Gebüsch hängen bleibt». Das zeigt er mit seiner aussergewöhnlichen Sprache in seinem letzten Roman «Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola», für Mannhart ein Sackbahnhof der Liebe, Endstation des Lebens. Er arbeitet unter anderem auch mit Musikern, Fotografen und Zeichnern zusammen, lebt als Schriftsteller in Bern, Langenthal, Eriswil und Zürich und gleich in welchen anderen Ortschaften, wohin auch immer ein Zug rollt, und sei es ein ausserfahrplanmässiger.
Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola.
Roman, Bilger Verlag 2006
Kuriernovelle oder der heimlich noch zu überbringende Schlüsselbund
der Antonia Settembrini.
In: Velokurierbuch. X-Time 2008
Urs Mannhart liest am
Mittwoch, 21. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Olga Martynova
schreibt auf russisch und deutsch
lebt in Frankfurt a.M.(DE)
*1962 in Dudinka (RU)
Olga Martynova ist in Sibirien geboren und wuchs in St. Petersburg auf. Sie studierte russische Sprache und Literatur und zog 1991 nach Deutschland.
Als Lyrikerin ist Olga Martynova bereits seit Längerem eine feste Grösse mit einer eigenständigen Stimme. Im letzten Jahr erschien ihr erster Roman «Sogar Papageien überleben uns». Sie erzählt darin die Geschichte von Marina, die an einem Kongress in Deutschland den Mann wieder trifft, mit dem sie 20 Jahre zuvor in St. Petersburg liiert war. Und plötzlich ist die Vergangenheit gar nicht vergangen... Olga Martynova setzt den Roman aus Prosaabschnitten, Zitaten, Gedichtfetzen, Dialogen, Aphorismen und Anekdotischem zusammen. Wie bei einem Gedichtband kann man an einer beliebigen Stelle des Romans beginnen und sich mitnehmen lassen auf die weiten Felder der Assoziation.
Sogar Papageien überleben uns.
Roman. Droschl 2010
In der Zugluft Europas. Gedichte.
Verlag Das Wunderhorn 2009
Olga Martynova liest am
Freitag, 16. September, 20 Uhr,
im Museum Neuhaus Biel
Robert Menasse
schreibt auf deutsch
lebt in Wien (AT)
*1954 in Wien (AT)
Robert Menasse studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte im Jahr 1980 mit einer Arbeit über den «Typus des Aussenseiters im Literaturbetrieb». Menasse lehrte anschliessend sechs Jahre – zunächst als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie – an der Universität São Paulo. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien ab, u.a. über Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien.
Ich kann jeder sagen – Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung.
Suhrkamp Taschenbuch 2010
Permanente Revolution der Begriffe: Vorträge zur Kritik der Abklärung: Essays,
Suhrkamp Verlag 2009
Robert Menasse liest am
Donnerstag, 15. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Adolf Muschg
schreibt auf deutsch
lebt in Männedorf (CH)
*1934 in Zollikon (CH)
Bekannt als engagierte und kritische Stimme der Schweizer Literatur hat sich Adolf Muschg bereits 2005 in seinem Essayband «Was ist europäisch?» mit dem Begriff Europa auseinandergesetzt. Wegen seiner unbequemen Aussagen zur Rolle der Schweiz und zur Neutralität wird er immer wieder angefeindet. Jetzt hat er zusammen mit Zsuzsa Breier eine der Triebfedern des europäischen Umbruchs von 1989 beleuchtet: Die Sehnsucht nach Freiheit, die 40 Jahre kommunistische Gewaltherrschaft bei Millionen von Menschen nicht hatte unterdrücken können und die Osteuropa nach 40 Jahren kommunistischer Diktatur in die Demokratie katapultierte.
Muschg war Professor für Literatur an der ETH und ist langjähriges Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, die er von 2003 bis zu seinem überraschenden Rücktritt 2005 präsidierte.
Freiheit, ach Freiheit ...
Vereintes Europa – Geteiltes Gedächtnis.
Herausgeber zusammen mit
Zsuzsa Breier, C.H. Beck 2011
Sax. Roman, C.H. Beck 2010
Was ist europäisch?
Essays, C. H. Beck 2005
Adolf Muschg liest am
Donnerstag, 22. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
Melinda Nadj Abonji
schreibt auf deutsch
lebt in Zürich (CH)
*1968 in Becey (RS)
Melinda Nadj Abonji wurde in der Vojvodina, dem teilweise ungarisch sprechenden Teil Serbiens, geboren und kam mit vier Jahren in die Schweiz.
In ihrem preisgekrönten zweiten Roman «Tauben fliegen auf» erzählt sie die Geschichte einer Familie, die wohl einen ähnlichen Weg gegangen ist wie die ihre. Vordergründig hat sich die Familie Kocsis perfekt integriert, doch die Kluft zwischen dem äusserlichen Erfolg und der inneren Befindlichkeit wird in der zweiten Generation immer grösser.
Die Immigration ist auch für die Schweiz eines der grossen gesellschaftlichen Themen dieser Jahrzehnte; nicht wegen populistischer Zuckungen à la Minarett-Verbot, sondern weil die neuen Mitbürger das Land verändern – und das Land sich schwertut, diese Veränderungen innerlich mit zu vollziehen.
Nadj Abonji ist ein starker Beweis dafür, dass es die Immigranten sind, die in der deutschsprachigen Literatur neue Themen, Schauplätze, Klänge gewinnen.
Tauben fliegen auf. Roman,
Jung&Jung Verlag 2010
Im Schaufenster im Frühling.
Roman, Amman Verlag 2004,
neu aufgelegt bei Jung&Jung Verlag 2011
Melinda Nadj Abonji liest am
Donnerstag, 15. September, 20 Uhr,
im Casino Burgdorf,
Freitag, 16. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
Martin Pollack
schreibt auf deutsch
lebt in Wien und Bocksdorf (AT)
*1944 in Bad Hall (AT)
Martin Pollack gelingt es, historische Ereignisse mit aktuellem Geschehen der europäischen Geschichte zu verknüpfen. In seinem neuen Buch beschreibt er die Flüchtlingswellen von Juden, Polen und Ukrainern, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Galizien nach Amerika auswanderten. Er erzählt vom grossen Wunsch nach einer besseren Zukunft und entlarvt das sich schnell entwickelnde unmoralische Geschäft mit dieser Hoffnung. Diese Massenflucht aus Galizien steht in der Tat als Prototyp heutiger Migrationsströme mit Menschenhandel und Schlepper-Unwesen. Martin Pollack, der sich durch die historische Aufarbeitung von Nationalsozialismus und Kommunismus sowie durch seine Übersetzertätigkeit für die Verständigung zwischen Polen und Österreich einsetzt, wurde für dieses Engagement bereits vielfach ausgezeichnet.
Kaiser von Amerika.
Die grosse Flucht aus Galizien.
Zsolnay 2010
Warum wurden die Stanislaws erschossen?
Reportagen, Zsolnay 2008
Martin Pollack liest am
Samstag, 24. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Edo Popovic
schreibt auf kroatisch
lebt in Zagreb (HR)
*1957 in Livno (BA)
Dem kroatischen Publikum ist Edo Popovic bekannt als Autor des Kultbuchs «Ponocni Boogie» (dt. «Mitternachtsboogie»), das auf eigenwillige Weise das Lebensgefühl der Zagreber Jugend in den rauschhaften 80er Jahren wiedergibt. Einen Namen machte er sich auch als unbestechlicher Kriegsberichterstatter. Die prägende Erfahrung des Krieges findet ihren literarischen Niederschlag in der behutsam eindringlichen Erzählung «Unter dem Regenbogen» – weitere Bearbeitung des Kriegsthemas behagt Popovic indes nicht. Sein Werk, das rege ins Deutsche übertragen wird, ist immer am Puls der Zeit, seine Geschichten spielen mitten unter jenen, die sich täglich den Unwägbarkeiten einer zerrütteten Gesellschaft stellen. Beispielsweise der Fotograf Ivan: fluchend, strauchelnd und dennoch unbeirrbar seinem eigenen Leben auf der Spur; oder der erfolglose Schriftsteller Boris, der totgeweiht seinem Schicksal ein Schnippchen schlägt. Die Anziehungskraft, die von den Figuren ausgeht, und der Sog seiner rasanten und überraschungsreichen Prosa machen klar: Edo ist Kult.
Mitternachtsboogie. Roman,
Volant & Quist 2010
aus dem Kroatischen von Alida Bremer
Die Spieler. Roman, Volant & Quist 2009
aus dem Kroatischen von Alida Bremer
Edo Popovic liest am
Samstag, 24. September, 14 Uhr,
in der Alten Oele Thun
Julya Rabinowich
schreibt auf deutsch
lebt in Wien (AT)
*1970 in Leningrad (RU)
Julya Rabinowich ist mit Ihrem ersten Roman «Spaltkopf» ein meisterlicher Wurf gelungen. Sprachlich originell und literarisch bestechend beschreibt sie die Situation einer russisch-jüdischen Familie im Spannungsfeld von Entwurzelung, Emigration und Identitätssuche. Mischka wurde in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, in einer russisch-jüdische Grossfamilie geboren. Als sie sieben Jahre alt ist, erzählen ihr ihre Eltern, dass sie Urlaub in Litauen machen. Das Flugzeug landet jedoch in Wien. Mischka muss sich, gespalten zwischen den Mythen ihrer Kindheit und den Verheissungen des Westens, im Exil einen eigenen Weg suchen. Rabinowich überzeugt nicht nur durch ihren Sinn für Komik, sondern auch mit ihrem eigenständigen Stil: Nüchtern und überzeichnend zugleich beschreibt sie das Vakuum zwischen den Kulturen, in das einen die Emigration zu treiben vermag.
Spaltkopf. Roman Deuticke Verlag, 2011
Zuvor erschienen in edition exil 2008
Herznovelle. Deuticke Verlag, Wien 2011
Julya Rabinowich liest am
Freitag, 16. September, 20 Uhr,
im Museum Neuhaus Biel,
Samstag, 17. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Dragica Rajcic
schreibt auf kroatisch und deutsch
lebt in Zürich (CH)
*1959 in Split (HR)
Dragica Rajcic kam 1978 in die Schweiz, wo sie als Putzfrau, Büglerin und Heimarbeiterin tätig war. 1988 kehrte sie nach Kroatien zurück. Sie gründete dort die literarische Zeitschrift «Glas Kastela» und arbeitete als Journalistin. 1991 floh sie während der Jugoslawienkriege mit ihren drei Kindern in die Schweiz, wo sie sich in der Friedensarbeit engagierte.
Anfang der Siebzigerjahre begann sie mit dem Schreiben, zuerst auf Kroatisch. Seit ihrem ersten Aufenthalt in der Schweiz entstanden auch Gedichte, Kurzprosa und Theaterstücke auf Deutsch. Dragica Rajcic pflegt in ihren lyrischen Werken häufig einen bewusst an das so genannte Gastarbeiterdeutsch angelehnten und nur an der Oberfläche rudimentär-fehlerhaft wirkenden Stil. Ihre Kurzprosa wirft in kantigen Fragmenten Schlaglichter auf unsere groteske Wirklichkeit. Mit naiv verfremdetem, scharfem Blick und ironischer Zunge lässt sie Widersprüchliches aufeinanderprallen.
Warten auf Broch. Text über Text,
Studien-Verlag 2011
Buch von Glück. Gedichte,
edition 8 2005
Dragica Rajcic liest am
Donnerstag, 15. September 20 Uhr,
im Casino Burgdorf,
Freitag, 16. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
Dana Ranga
schreibt auf deutsch
lebt in Berlin (DE)
*1964 in Bukarest (RO)
Dana Ranga kam 1987 nach Deutschland. Sie ist Filmemacherin; ihre Dokumentarfilme «Story» und «Cosmonaut Polyakov» wurden weltweit auf Festivals aufgeführt. Als Schriftstellerin veröffentlichte sie in den Zeitschriften «Sinn und Form», «Manuskripte» und «die horen».
Dana Rangas Gedichte sind die Stationen einer Reise durch die Tiefen der Ozeane. Es gibt viele Bilder, die zeigen, wie dieser Planet von oben aussieht, aus dem All betrachtet, aus dem Blickwinkel der Astronauten. Doch wie sehen die Erde und ihre Bewohner von unten aus, vom Meeresgrund, wahrgenommen mit den Sinnesorganen einer anderen Spezies? Vor der Kulisse dem Landbewohner entrückter Unterseelandschaften begegnen sich Fisch und Mensch, und das Spiel der Verwandlungen beginnt: Dem Lungenatmer wachsen Kiemen und die Meeresbewohner entwickeln allzu menschliche Leidenschaften.
Wasserbuch. Gedichte, Suhrkamp 2011
Dana Ranga liest am
Freitag, 23. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
Noëlle Revaz
schreibt auf französisch
lebt in Lausanne (CH)
*1968 in Vernayaz (CH)
Als ästhetischer Schock wurde ihr Début 2002 wahrgenommen. Sieben Jahre später lässt Noëlle Revaz einen zweiten Roman folgen. Er handelt, in ungewohnter Form, von einer Frau und einem Mann – diesmal sind sie nicht der Natur ausgeliefert, sondern der Kultur.
Wie bereits in ihrem ersten Roman «Von wegen der Tieren» geht es wieder um zwischenmenschliche Beziehungen, um Machtspiele und Scheitern an der Liebe, und wieder sticht der Roman durch seine eigenwillige Sprache hervor.
Ein höchst komischer Dialog aus ungelesenen Briefen entsteht: Efina und T. sind voneinander fasziniert; echte Zwiesprache findet aber nicht statt. Es gelingt ihnen nicht, voneinander zu lassen, gleichzeitig versichern sie sich ständig selbst, wie wenig ihnen der jeweils andere bedeutet.
Efina. Roman, Gallimard, Paris 2009
Rapport aux bêtes. Roman,
Gallimard, Paris 2002
Von wegen den Tieren.
Roman, aus dem Französischen
von Andreas Münzner,
Urs Engeler Editor 2004
Noëlle Revaz liest am
Freitag, 23. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
Tomasz Rózycki
schreibt auf polnisch
lebt in Opole (PL)
*1970 in Oppeln/Opole (PL)
Tomasz Rózycki ist Übersetzer, Romanist und – zumindest in seiner Generation – der wichtigste Dichter seines Landes. Sein Versroman «Zwölf Stationen» ist aber nicht bloss dem kleinen Kreis der Lyrik-Freunde zu empfehlen. Dieser Versroman lässt sich als flüssiger Prosatext lesen, der auf aberwitzige Weise und mit halluzinogenen Bildern in Abgründe führt. Er schildert die Geschichte eines namenlosen Helden, der nur wieder einmal seine alte Grossmutter besuchen wollte in dem kleinen Opole in der polnischen Provinz. Doch so ein Besuch hat seine Tücken. So leicht entkommt man den kauzigen Hausbewohnern und der Einladung nicht. Und ehe er sich versieht, ist er für einen ungewöhnlichen Auftrag auserkoren: Er soll die in ganz Polen verstreute Verwandtschaft zusammentrommeln, auf dass sie noch einmal in die Heimat zurückzukehren, aus der sie vor einem halben Jahrhundert vertrieben worden sind.
Zwölf Stationen. Poem, Sammlung Luchterhand 2009,
ins Deutsche übersetzt von Olaf Kühl
Tomasz Rózycki liest am
Freitag, 23. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
Oksana Sabuschko
schreibt auf ukrainisch
lebt in Kiew (UA)
*1960 in Luzk (UA)
In der Ukraine, jenem grossen osteuropäischen Land, das immer noch schwer an seinem sowjetischen Erbe trägt, belegt ein Buch seit seinem Erscheinen die Nummer eins der Verkaufsränge: Oksana Sabuschkos neuer Roman «Museum der vergessenen Geheimnisse» ist sprachlich unglaublich reich und genau und darüber hinaus politisch anspruchsvoll. In der Ukraine gilt die Autorin als wichtigste weibliche Stimme der Gegenwartsliteratur. Sie wird dabei wahlweise als «Enfant terrible» oder «zweiter Dostojewski» gefeiert.
Was geschieht mit unseren Erinnerungen, den bewussten und den unbewussten, wenn wir einmal nicht mehr sind? Der unendliche Schatz menschlicher Wahrnehmung – löst er sich einfach auf im Nichts? Anhand der Lebensgeschichten dreier Frauen zeigt Sabuschko die Widersprüche einer Gesellschaft, die auf Lügen baut. Ein literarisches Erdbeben aus der Mitte Europas, voller Musikalität und Menschlichkeit.
Museum der vergessenen Geheimnisse.
Roman, Droschl Verlag 2010, aus dem
Ukrainischen von Alexander Kratochvil.
Feldstudien über ukrainischen Sex.
Roman, Droschl Verlag 2006,
aus dem Ukrainischen von DAJA.
Oksana Sabuschko liest am
Samstag, 24. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Ivana Sajko
schreibt auf kroatisch
lebt in Zagreb (HR) und Istrien (HR)
*1975 in Zagreb (HR)
Die Schriftstellerin, Dramatikerin und Regisseurin Ivana Sajko ist eine der spannendsten Persönlichkeiten der kroatischen Kulturszene.
Im Zentrum ihres Romans «Rio Bar» stehen verschiedene Frauenfiguren: eine Frau, die in der Rio Bar sitzt und einen Roman schreibt, eine Braut, deren Hochzeit Granaten ein jähes Ende bereiten und eine junge Frau, die zehn Jahre nach dem Krieg dem Alkohol verfallen ist und einsam in einer kroatischen Küstenstadt umherstreift.
Das unvermittelte Hereinbrechen und die Traumatisierungen des Krieges werden ebenso thematisiert wie die perverse Kriegsrhetorik und gegenseitige Hetze. Und auch die verheerenden Folgen des Krieges werden von der Autorin schonungslos eingefangen; das Fremdheitsgefühl der Vertriebenen, aber auch die Spannungen zwischen Einheimischen, Zugezogenen und kaufwütigen Ausländern. Ivana Sajko überzeugt durch eine eindringliche, präzise Sprache ebenso wie durch innovative Erzählverfahren und eine gekonnt eingesetzte Dramaturgie.
Sajko liest aus «Rio Bar» und ihrem neuesten Roman «Die Geschichte meiner Familie von 1941 bis 1991 und danach».
Rio Bar. Roman, Matthes & Seitz 2008,
aus dem Kroatischen von Alida Bremer
Ivana Sajko liest am
Sonntag, 25. September, 14 Uhr,
in der Alten Oele Thun
Michail Schischkin
schreibt auf russisch
lebt in Zürich (CH)
*1961 in Moskau (RU)
Michail Schischkin lebt seit 1995 in Zürich, wo er als Russischlehrer und Dolmetscher für das Migrationsamt arbeitet. Der Protagonist, der in «Venushaar» für das Zürcher Migrationsamt die Befragungen von Asylsuchenden übersetzt – «meines Zeichens Dolmetsch in der Flüchtlingskanzlei des Ministeriums für Paradiesverteidigung» –, mäandert ausgehend von der Realität seiner oft erschütternden Befragungen durch Raum und Zeit und durch die Literatur und Kulturgeschichte dieses Europas, in dem die Schweiz vielen als Paradies gilt. So entstehen ein Panorama der russischen Geschichte und gleichzeitig ein enorm aktuelles Bild der europäischen Gegebenheiten.
Als einziger Schriftsteller hat Michail Schischkin die drei grössten Literaturpreise Russlands erhalten. Seine Bücher wurden in vierzehn Sprachen übersetzt. Leider liegt bisher von seinen Romanen nur «Venushaar» auf Deutsch vor.
Venushaar. Roman, DVA 2011,
aus dem Russischen von Andreas Tretner.
Die russische Schweiz.
Ein literarischhistorischer Reiseführer.
Limmatverlag 2003 (leider vergriffen), aus
dem Russischen von Franziska Stöcklin.
Montreux — Missolunghi — Astapowo.
Auf den Spuren von Byron und Tolstoj:
Eine literarische Wanderung
vom Genfersee ins Berner Oberland,
Limmatverlag 2002, aus dem
Russischen von Franziska Stöcklin.
Michail Schischkin liest am
Samstag, 17. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Karl SchlögeL
schreibt auf deutsch
lebt in Berlin (DE)
*1948 in Hawangen (DE)
Karl Schlögel ist eine Ausnahmeerscheinung in den Geisteswissenschaften – und zwar schon von seinem Werdegang her. Der Professor für osteuropäische Geschichte an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder war vor seiner Erstberufung nach Konstanz 1990, im Alter von 42 Jahren, an keiner Universität wissenschaftlicher Mitarbeiter gewesen. Seit seiner Promotion 1982 über die Arbeiteropposition in der Sowjetunion bis zum Tode Stalins (1953) arbeitete Schlögel jahrelang als «freier Schriftsteller und freier Wissenschaftler». Er veröffentlichte eine Reihe von wegweisenden Essays zur Geschichte und Gegenwart Osteuropas sowie über Europa im Übergang angesichts der EU-Osterweiterung.
«Karl Schlögel ist ein grandioser Landschaftsmaler, vor allem bei der Charakterisierung osteuropäischer Räume. Er hat ein Werk der Leidenschaft geschrieben, wie es die Geschichtswissenschaft in jeder Generation nur wenige Male hervorbringt.»
Gustav Seibt
Moskau lesen. Hanser Verlag 2011
Terror und Traum: Moskau 1937,
Hanser Verlag 2008
Im Raume lesen wir die Zeit:
Über Zivilisationsgeschichte
und Geopolitik, Hanser Verlag 2003
Karl Schlögel liest am
Samstag, 24. September, 16 Uhr,
Kornhausforum Bern
Aleš Šteger
schreibt auf slowenisch
lebt in Ljubljana (SI)
*1973 in Ptuj (SI)
Wenn Aleš Šteger seine Gedichte mit weicher Stimme vorträgt, langsam, ganz versunken in den Text, möchte man als Hörer noch einmal an die alte Verwandlungskraft der Poesie glauben.
Auch wenn der Leser mit Aleš Štegers letztem Buch «Preussenpark, Berliner Skizzen» durch Berlin flaniert, wird er ein anderes, ein poetisches Berlin wahrnehmen. Aufgeladen mit Bedeutung, überreich an Gedächtnis, erfüllt mit den Stimmen derer, die vor ihm da waren, fordern sie sein poetisches Erkenntnisvermögen heraus. In dreissig Prosastücken und lyrischen Miniaturessays hält Šteger fest, was er in Berlin sah und hörte. Hier wird die Fremdheit zu einer sinnlichen und produktiven Wahrnehmung, wie sie nur einem Lyriker von Stegers poetischer und intellektueller Begabung gelingen kann.
Preussenpark. Berliner Skizzen.
Essays, Suhrkamp 2009
Buch der Dinge. Gedichte,
Suhrkamp 2006
Zu zweit nirgendwo.
Herausgegeben von Aleš Šteger.
Neue Erzählungen aus Slowenien.
Suhrkamp 2006
Aleš Šteger liest am
Sonntag, 18. September, 13 Uhr
und 17 Uhr,
im Kornhausforum Bern
Christian Uetz
schreibt auf deutsch
lebt in Zürich (CH)
*1963 in Egnach (CH)
Wer schon einmal erlebt hat, wie Uetz mit seinen Texten auftritt und sie – in einem beängstigenden Tempo alle auswendig rezitierend – dem Publikum sozusagen in den Schlund wirft, wird diese Performance so schnell nicht vergessen. Uetz’ Sprache ist durch ein Sprachgefühl und eine Lust am Spiel mit den Worten geprägt, die in dieser Versiertheit im deutschsprachigen Raum selten anzutreffen sind.
Endlich ist auch sein erster Roman «Nur Du, und nur Ich» herausgekommen. Der philosophische Poet erzählt mit seiner gewaltigen Sprache eine Liebesgeschichte zweier Menschen, die sich treffen und nicht mehr voneinander lassen können.
In Bern wird Christian Uetz ältere und neue Gedichte vortragen.
Nur Du, und nur Ich: Roman in sieben Schritten, Secession Verlag 2011
Das Sternbild versingt. Gedichte, Suhrkamp Verlag 2004
Zoom Nicht. Texte, Droschl Verlag 1999
Christian Uetz liest am
Sonntag, 18. September, 13 Uhr,
im Kornhausforum Bern,
Freitag, 23. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern
Nenad Velickovic
schreibt auf bosnisch
lebt in Sarajevo (BA)
*1962 in Sarajevo (BA)
Nenad Velickovic schreibt neben Romanen und Erzählungen auch Drehbücher, Theaterstücke und Liedtexte. Literarisch innovativ und mit spitzem Humor, der oft Absurdes oder Tragisches offen legt, setzt er sich in seinem Werk mit den chaotischen Verhältnissen in Bosnien auseinander. So problematisiert er im Roman «Sahib» die Rolle der Internationalen Gemeinschaft. Ein homosexueller englischer Beamter beschreibt in E-Mails an den Geliebten in London unverblümt und in kolonialistischem Gestus die ihm fremde Welt, wodurch ein absurdes Lexikon der bosnischen Eigenheiten entsteht. Gleichzeitig ist «Sahib» eine tieftraurige Geschichte, die von Einsamkeit und schwierigen Liebesbeziehungen handelt. Dies gilt auch für den Roman «Otac moje kceri» (dt. «Der Vater meiner Tochter»), in dem der Zerfall einer Familie kurz nach der gemeinsam überstandenen Belagerung Sarajevos erzählt wird, die Velickovic selbst als Soldat durchlebte.
Nenad Velickovic liest am
Samstag, 24. September, 15.30 Uhr,
in der Alten Oele Thun
Peter Weber
schreibt auf deutsch
lebt in Zürich (CH), Toggenburg (CH) und
Istanbul (TUR)
*1968 in Wattwil (CH)
Der gern gesehene Gast, der Reisende, der Repräsentant der jüngeren Schweizerliteratur – freilich gut gereift schon – ist Sprach- und Wortforscher und bewegt sich mit seiner Prosa in einer eigenen klanglichen Welt. Peter Weber findet Worte, setzt sie zusammen und kann damit alles um sie herum zum Klingen bringen.
Der Pendler zwischen Zürich und Istanbul hat 2009 einen Abstecher nach Lemberg (Lviv) gewagt und die Ukrainer mit seiner klanglichen Sprachwelt begeistert.
Der Leser wird in Webers Sprachwelt zum Hörer, und dieser Hörer lernt, die Worte akustisch zu begreifen. Es ist immer wieder ein Hochgenuss, Peter Weber zuzuhören. In Bern wird er neue Reisetexte zum Klingen bringen.
Bahnhofsprosa. Erzählungen,
Suhrkamp 2002
Silber und Salbader. Roman,
Suhrkamp 1999
Peter Weber liest am
Montag, 19. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern,
Mittwoch, 21. September, 20 Uhr,
im Casino Burgdorf
Serhij Zhadan
schreibt auf ukrainisch
lebt in Kharkiv (UA)
*1974 in Starobilsk (UA)
Er ist der Star der jungen ukrainischen Literatur und spätestens seit dem Erfolg seiner «Hymne der demokratischen Jugend» hat er sich als originellste Gegenstimme zum poetischen Landvermesser Juri Andruchowytsch etabliert. Zhadan ist im ostukrainischen Starobilsk geboren und bereits Verfasser von elf Büchern. Er führt uns mitten in die Anarchie der postsowjetischen Umbruchszeit hinein.
In seiner neuen sechsteiligen Erzählung «Big Mäc» kehrt er der Anarchie der postsowjetischen Umbruchzeit den Rücken und flaniert durch die Strassen alter Städte – Orte der Subkultur, Mitteleuropa entmythologisiert.
Sein literarischer Raum ist das Hier und Jetzt, das pralle Leben. Er erzählt Geschichten von seiner Generation – urban und ohne Nostalgie.
Big Mäc. Geschichten, Suhrkamp 2011,
aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe.
Hymne der demokratischen Jugend.
Roman, Suhrkamp Verlag 2009,
aus dem Ukrainischen von
Juri Durkot und Sabine Stöhr
Serhij Zhadan liest am
Mittwoch, 21. September, 20 Uhr,
im Kornhausforum Bern,
Freitag, 23. September, 20 Uhr,
im PROGR Bern